Wie weiter im Israel-Palästina-Konflikt?

Diskussionsabend in Seeheim-Jugenheim
Heike Kuntze-Engemann

Am 24.9.25 fand ein Diskussionsabend zum Thema „Wie weiter im Israel-Palästina-Konflikt?“ statt. Die Veranstaltung wurde vom Gesprächskreis zum Israel-Palästina-Konflikt und der Ortsgruppe der Linken in Seeheim-Jugenheim organisiert. Es kamen über 60 Interessentinnen und Interessenten. 

In einem Vortrag zur Geschichte des Konflikts wurden die entscheidenden Konfliktpunkte benannt: Die Besiedelung eines bereits besiedelten Landes, die jüdische Einwanderung, von den Briten unterstützt, sollte die Rechte der dort lebenden Bevölkerung wahren, was nicht geschah. Es gab einen ungerechten Teilungsplan, gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Juden und Moslems sowie zwischen Israel und den arabischen Staaten, ca. 1 Mio. vertriebene Palästinenser ohne Rückkehrrecht, das Scheitern von Friedensverhandlungen, der immer weitergehende Siedlungsbau im Westjordanland und das Massaker am 7.10.2023. 

Jana Kaiser, eine in Darmstadt lebende Jüdin stellte ihre Arbeit vor, in der sie die israelische Organisation „Women Wage Peace“ und die palästinensische Organisation „Women of the Sun“ beschrieb, die sich gemeinsam für einen Frieden im Nahen Osten engagieren. Diese Arbeit der Verständigung zwischen den Konfliktparteien versucht sie auch in Deutschland zu unterstützen. Eine Lösung ist ihrer Meinung nach nur zwischen den Konfliktparteien auszuhandeln. Sie sieht noch keinen Frieden in Sicht, aber Möglichkeiten von Vereinbarungen. 

Mohammad Ghanem, Vorsitzender der palästinensischen Gemeinde in Hessen, schilderte seine persönlichen und die konkreten leidvollen Erfahrungen der Palästinenser. Er nannte viele Beispiele: die Vertreibung, die Blockade Gazas zu Lande, Luft und Wasser, die ursprüngliche Unterstützung der Hamas durch Israel, die zur Spaltung der PLO führte. Er habe keinen Hass, aber das jahrzehntelange Unrecht lasse ihn manchmal emotional reagieren. Er forderte das Ende der Besatzung und Verhandlungen. 

Es folgten Fragen an die beiden Hauptredner und eine sich daran anschließende Diskussion. Themen waren u.a. die Rolle der Hamas, mögliche Lösungen des Konflikts und was wir als Deutsche tun können. Jana Kaiser betonte die Notwendigkeit der Begegnung und Verständigung zwischen den Konfliktparteien und die gegenseitige Anerkennung ihres Leids. Mohammad Ghanem verwies auf Möglichkeiten des Protestes gegen die deutsche Staatsräson und auf Beispiele aus anderen europäischen Ländern. Deutlich wurde, dass beide Konfliktparteien sich bewegen müssen. Das „Nie wieder“ muss universell und nicht nur partikular für eine Partei gelten, wie ein Teilnehmer bemerkte. Kritik an Israel dürfe nicht als Antisemitismus verurteilt werden. Der Völkermord müsse beendet werden. 

Die Atmosphäre an diesem Abend war geprägt durch eine ruhige, sachliche Diskussion. Viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen begrüßten die Veranstaltung als ein Beispiel der Begegnung und Verständigung durch Aufklärung und Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten.Wie weiter

30.09.2025