Wohnungspolitik

Gießen: Bauverein Darmstadt verkauft 1200 Wohnungen

Die Bauverein AG ist bekannt als großes Wohnungsunternehmen in Darmstadt. Weniger bekannt ist das Engagement des Bauvereins auch in anderen Städten. So verfügt die Darmstädter Gesellschaft auch in Gießen oder Freiberg über einen großen Wohnungsbestand. In Gießen will der Bauverein nun 1200 Wohnungen verkaufen. Soziale Aspekte scheinen hierbei keine Rolle zu spielen, wie einem Artikel des "Gießener Anzeigers" zu entnehmen ist.

Verkauf städtischer Wohnungen: "Sozialcharta unzureichend"

Der Magistrat der Stadt Darmstadt hat am 19.3.2014 den Verkauf des Wohnungsbestandes der Wissenschaftsstadt Darmstadt an die bauverein AG beschlossen. Insgesamt werden zum ersten Juli 2014 80 Objekte mit 679 Wohnungen und rund 38.000 Quadratmetern Wohnflächen, verkauft. Der Kaufpreis beläuft sich auf ca. 22 Mio. Euro.

Unter den Mieter_innen der zum Verkauf anstehenden Häuser gab es nach der Ankündigung große Unsicherheit. Der bauverein ist ein Aktiengesellschaft und seine Aufgabe besteht darin, Gewinne zu machen. Die Bewohner_innen fürchteten, dass dies zu ihren Lasten geht.

"Wohnen muss erschwinglich bleiben"

"Ein kontinuierlicher Beteiligungsprozess muss die weitere Planung und ihre Umsetzung auf der Lincoln-Siedlung begleiten, damit dort bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird." Dies fordert das "Bündnis für bezahlbares Wohnen" in einer Presseerklärung. Das Bündnis wird getragen vom DGB, dem Mieterverein Darmstadt und den Asten der Darmstädter Hochschulen und unterstützt u.a. von der TG LaK (Leben auf Konversionsflächen) der Agenda21 sowie Uffbasse und DieLinke.

Die Erklärung im Wortlaut:

Verhandlungen ohne Ende?

In Darmstadt wird es immer schwerer bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Mieten steigen unaufhörlich, auf eine angebotene Wohnung kommt eine Vielzahl von Bewerber_innen. Entlastung könnten hier die sogenannten Konversionsflächen bringen, also die Umwandlung der ehemaligen US-Kasernen in Wohnungen. Die Kasernen stehen seit 2008 leer, und seit dieser Zeit gibt es Verhandlungen zwischen der Stadt und der BImA, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Unklar bleibt der Öffentlichkeit aber, warum sich diese Verhandlungen so in die Länge ziehen und keine Ergebnisse bringen.

Lincoln-Siedlung: Leerstand ist Verschwendung

Seit 2008 stehen die Wohngebäude der ehemaligen Lincoln-Siedlung an der Heidelberger Straße leer. Initiiert von der Stadtverordnetenfraktion UFFBASSE will am 8.Juni 2013 ein Bündnis mehrerer Darmstädter Organisationen und Initiativen dagegen protestieren. "Leerstand ist kein Zustand" - diese Meinung wollen sie bei dieser Aktion zum Ausdruck bringen.

Die Umwandlung der auf den Konversionsflächen vorhandenen Wohngebäude in bezahlbaren Wohnraum halten die Initiatoren für dringend notwendig, besonders im Hinblick auf die in Darmstadt fehlenden Wohnungen und die steigenden Mieten.

Konversionsflächen: Soziale Kriterien berücksichtigen

Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum ist im November 2012 mit der Organisation des "Darmstädter Wohngipfels" an die Öffentlichkeit getreten. Die Aktivitäten werden getragen vom Mieterbund Darmstadt, von den Studierendenvertretungen der TU und der Hochschule Darmstadt und vom DGB Stadtverband, und unterstützt von den Stadtverordnetenfraktionen Uffbasse und DIE LINKE.

Beginn einer Mieterbewegung?

Die Wohnungsnot in den Ballungszentren nimmt spürbar zu. Für viele Menschen sind die geforderten Mieten kaum noch erschwinglich. Die Empörung über diese Zustände macht sich jetzt auch in ersten Aktionen Luft. Am Samstag dem 10.11.2012 demonstrierten Mieterinitiativen in Berlin, Hamburg und Freiburg. Diese Proteste könnten Zeichen einer aufkommenden Mieterbewegung sein.